Der rote Faden. Meine Näh-Philosophie.

Das geheime Leben der Dinge

Als Kind war ich davon überzeugt, dass Gegenstände genauso lebendig seien wie wir Menschen.

Eine meiner Lieblingsgeschichten war dementsprechend „Der standhafte Zinnsoldat" von Christian Andersen, und wenn ich dieses Märchen mal wieder gelesen hatte, dann betrachtete ich prüfend meine Spielsachen und fragte mich, was sie wohl so alles machten und erlebten, wenn sie unter sich waren?

Aber die Annahme eines „geheimen Lebens" beschränkte sich nicht auf Puppen und Stofftiere, sondern schloss auch alle anderen Gegenstände mit ein. Das Geschirr, dass sich sicherlich miteinander unterhielt, sobald ich die Schranktür schloss, das Kleid, das traurig sein würde, wenn ich es nicht wieder neben seinen Lieblinsrock hängen würde ...

Und heute? Zur Beruhigung meiner Homepage-Besucher: nein, ich sitze nicht nachts neben meinem Kleiderschrank, um die Gespräche meiner Blusen zu belauschen, aber - in gewisser Weise denke ich, ich hatte nicht unrecht.

Jedes Ding hat eine ganz eigene Ausstrahlung, die sich auf mich auswirkt, wenn ich es anschaue oder anfasse, ein „geheimes Leben", das zwar nicht darin besteht, dass die Dinge miteinander flüstern, wenn ich ihnen den Rücken zukehre, so wie ich mir das früher vorgestellt habe, das mich aber dennoch in unterschiedliche Stimmungen versetzen kann.

Ein „Alltags-Ding", das mit Kreativität und Sorgfalt hergestellt wurde und dann auch noch die Aufmerksamkeit und Pflege seines Besitzers genießt, strahlt etwas Wohltuendes aus.

Ich zumindest liebe den Einfallsreichtum und die Einzigartigkeit individuell gestalteter Dinge, und die Freude daran setze ich auch beim Herstellungsprozess meiner eigenen Kreationen ein.

Ich finde, Alltags-Dinge sollte man nicht nur benutzen, sondern auch genießen. Sie sollten mich daran erinnern, dass dieser (alltägliche) Augenblick ein einzigartiger ist.